Die Gruppe LIGNA existiert seit 1995 und besteht aus den Radio- und performancekünstlern Ole Frahm, Michael Hüners und Torsten Michaelsen. Unter anderem arbeiten sie im Freien Sender Kombinat (FSK), einem nichtkommerziellen Hamburger Radiosender. Ihre regelmäßige Sendung Lignas Music Box ist ein Wunschkonzert, bei dem die HörerInnen im Studio anrufen und ihre Wunschmusik selbst über das Telefon einspielen können.

Von den Erfahrungen mit dieser Sendeform ausgehend, begann die Gruppe mit den Effekten der Radioausstrahlung in privaten und öffentlichen Räumen zu experimentieren. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen dabei die Rezeptionssituation und ihr performatives Potenzial. Anders als die herkömmliche Medienkritik fordert LIGNA nicht dazu auf, den Distributionsapparat Radio in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln, um dem Medium so politische Wirksamkeit zu verleihen. Vielmehr liegt gerade in der Distribution, der Zerstreuung der Radiowellen im Raum, die Voraussetzung für eine folgenreiche Medienpraxis.

Die Radioarbeit von LIGNA begreift die RadiohörerInnen als zerstreutes Kollektiv. Wer Radio hört, ist Teil einer Konstellation mit vielen anderen HörerInnen. Diese Konstellation ist zunächst abstrakt. LIGNA versucht sie in unterschiedlichen Modellen der Radionutzung in eine temporäre Assoziation zu verwandeln. Diese Assoziation bleibt zerstreut, sie ist weder Masse noch Ornament, kann jedoch ihre eigenen Wirkungen entfalten. Sie kann beispielsweise, wie im Fall des Radioballetts, die Gesetze und Normierungen unterschiedlicher öffentlicher oder privatisierter Räume unterwandern und dort einen eigenen Raum in Anspruch nehmen. Radiohören wird zur Intervention – zur Praxis der Veränderung.

Die Arbeiten von LIGNA sind damit nicht nur für das Medium Radio von Bedeutung. Viel-mehr eröffnet sie neue Möglichkeiten kollektiven Handelns jenseits bisher bekannter und genutzter Modelle. Im performativem Radiohören wird die Regulation von Körpern und Gesten nicht nur sichtbar, es ermöglicht zugleich andere Bewegungen und verändert alltägliche Situationen.

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