Wählt die Signale! – Ein Radiokonzert für 144 Handys 

Hamburger Kunsthalle, 26. - 27.04.2003 



144 Handys liegen eine ganze Nacht an einem für BesucherInnen unzugänglichen Ort - der Galerie der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle -  aus. Den einzigen Zugang in diesen Raum gibt es über das Radio, das Internet und das drahtlose Telefonnetz: Über den Handys, die in einem quadratischen Raster von 12 mal 12 Geräten ausgelegt sind, hängen Mikrofone, deren Aufnahme live über Rundfunk und Audiostream ausgestrahlt wird. Die HörerInnen der Sendung sind eingeladen,  die Handys anzurufen und damit deren Klingeltöne auszulösen. Diese Klingeltöne wurden eigens für diesen Anlass vom Hamburger Sound-Künstler Jens Röhm komponiert. 

Die durch die Anrufe erzeugten Töne, die sich zu einem gemeinsamen Klang assoziieren, ergeben eine kollektive Komposition. Die Zerstreuung, die Gleichzeitigkeit der Ausstrahlung und die Konstellation der HörerInnen wird im Radiokonzert als aleatorische, also zufällige, zu keinem Zeitpunkt kontrollierbare Komposition hörbar. 


Ergänzend zur Radioübertragung wurde im Internet ein Raster des Handyfeldes übertragen, auf dem jeweils die gewählten Nummern sichtbar waren. Das Konzert begann um 20 Uhr abends und dauerte zwölf Stunden. Der Verlauf des Konzertes wurde infolgedessen auch durch den Lebensrhythmus der HörerInnen beeinflußt. Während in den ersten Stunden häufig bis zu 30 HörerInnen zugleich Signale wählten, waren es in den Nachstunden meist nur 3 bis 5. Insgesamt assoziierten sich über 4000 Anrufe zur Komposition. 

Das Radiokonzert Wählt die Signale! versuchte eine dem Radiohören adäquate Form der musikalischen Komposition zu finden. Radiohören findet gleichzeitig, zerstreut über viele Radios statt; die HörerInnen befinden sich dabei in einer bestimmten, für sie unsichtbaren Konstellation. Im Radiokonzert für 144 Handys sollte diese zerstreute Konstellation hörbar gemacht werden.


Ausschnitt 1: 21.31 Uhr bis 21.36 Uhr


Ausschnitt 2: 03.39 Uhr bis 03.44 Uhr


Das Raster der Handys im Internet


Skizze des Komponisten Jens Röhm

Die Handys vor dem Konzert

 - und danach.